Der deutsche Wald kann mehr als rauschen

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Flößerei

Flößerei

Kapitel in: Flößerei

Die kräftigsten Flößer steuerten

Flößerei
Manchmal mussten Flöße auch eine »Oblast« aus Passagieren tragen. Die nahmen meist auf dem letzten Gestör Platz, wo sie den Floßknechten nicht im Weg waren. Hier handelt es sich offenbar um Herren vom Forstamt, die sich talwärts tragen ließen.

Zum Einbinden standen sechs Flößer oder Floßknechte (ein »Gespann«) mit ihren riesigen, bis zur Hüfte reichenden Flößerstiefeln im Wasser, drehten eiserne Ösen in die Stämme und banden sie mit sogenannten Wieden zusammen. Ursprünglich waren diese Wieden biegsame Weidenruten gewesen, aber als der Floßbetrieb zunahm, reichten im Schwarzwald die Weiden bald nicht mehr aus. So musste man sich mit langen Ästen oder schwachen Stämmchen von Fichte und Tanne behelfen - gelegentlich auch von Hasel und Eiche. Allerdings mussten diese Hölzer, die ja nicht elastisch waren, erst kunstvoll biegsam gemacht werden, indem man sie in einer Art von Backofen erhitzte und dann spiralförmig drehte. Das veränderte die spröde Holzstruktur; übrig blieb eine zähe Holztrosse - die Wiede.

Ein Gestör - das wegen der Stellfallenabmessung nicht breiter als vier Meter sein durfte - bestand meist aus acht bis zwölf nebeneinanderliegenden Stämmen. Mehrere Gestöre koppelte man, wie die Wagen eines Güterzuges, zu einem kurvengängigen, vielgliedrigen Floß zusammen. Ein Floß aus sechs Gestören war rund 100 Meter lang und brauchte sechs Mann zur Bedienung.

Wurde an der Wasserstube die Stellfalle geöffnet, so schoss das gestaute Wasser mitsamt dem Floß ins Bachbett. Die Kunst der Flößer bestand darin, das Floß unmittelbar hinter dieser Flutwelle, dem Vorwasser, talwärts gleiten zu lassen. Die kräftigsten Flößer dirigierten das Fahrzeug; als »Bremsen« waren am vorletzten Gestör Sperrpfähle angebracht, die unter dem Floß schleiften. Auf Befehl des Oberflößers drückten die Floßknechte die Pfähle auf den Grund. Aber nur im Notfall wurde gebremst: denn es konnte dann geschehen, dass das Floß zu weit hinter dem Vorwasser zurückblieb und plötzlich auf dem Trockenen saß. Dann dauerte es viele Stunden, bis sich im Schwellweiher und in den Wasserstuben genügend Wasser gesammelt hatte, um das Floß wieder flottzumachen.

Aus den Gebirgen oder Bergregionen wurden die Flöße zunächst den großen Umschlagplätzen entgegengesteuert. Für das Holz, das auf der Enz aus dem Nordschwarzwald kam, lag dieser Platz bei Bietigheim am Neckar, nördlich von Stuttgart. Hier vereinigte man die einzelnen Gestöre zu noch größeren Flößen.

Weiter ging die Fahrt - in unserem Fall auf dem Neckar zum Rhein, nach Mannheim. Dort, oder auch erst in Andernach, unterhalb des wegen seiner Enge und seiner Strudel gefürchteten Binger Lochs, wurden die Riesenflöße für die Niederlande zusammengestellt: schwimmende Baumteppiche, oft bis zu 400 Meter lang, 80 Meter breit und fünf Meter mächtig. Auf denen mussten manchmal Hunderte von Floßknechten Dienst tun.

Flößerei
Um die Jahrhundertwende war die Flößerei auf der Enz eigentlich schon zum Erliegen gekommen. Aber für eine Gaudi lebte sie noch einmal auf: Bei Calmbach band man für ein Heimatfest Stämme zu Gestören, die man mit den Festgästen belud. Auch heute noch gibt es Flöße, die zur Unterhaltung fahren.

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