Der deutsche Wald kann mehr als rauschen

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Holzknechte

Kapitel in: Holzknechte
  • Überall lauerte die Gefahr

Überall lauerte die Gefahr

In vielen Büchern wurde das fröhliche, freie Leben der Holzknechte verherrlicht, die von früher Jugend bis ins hohe Alter draußen in den Wäldern arbeiteten. Die Städter liebten diese romantischen Schilderungen, ohne jedoch eine Ahnung zu haben, was es wirklich bedeutete, jahrein, jahraus, Sommer wie Winter, tief im Walde und fernab von jeder Zivilisation mit harter Arbeit sein Leben zu fristen.Holzknechte

Waldarbeit

Holzknecht Die beiden Szenen (oben und rechts) aus dem Alltag der Holzknechte entstanden im vergangenen Jahrhundert.

Gewiss, gemeinsam mit den Bauern auf dem Lande waren die Holzknechte der Natur am nächsten. Kein Lärm von Maschinen, kein Gestank von Fabriken zehrten an ihrer Gesundheit - ein Reichtum, um den so mancher Arbeiter in der Stadt sie beneidete. Doch wie sah der Alltag aus, bevor es Traktoren, Motorsägen und Seilwinden gab? Ein Holzknecht - der Ausdruck lässt sich bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts zurückverfolgen - war ein Fachmann, der ohne Lehre, ohne Prüfung, aber mit viel Geschick und praktischem Wissen, mit Kraft und Mut seine Arbeit tat. Mit dem Aufblühen des Berg- und Salinenwesens im Hochmittelalter bildete sich ein eigener Berufsstand heraus. Der immense Bedarf an Brenn- und Kohlholz machte nun eine planmäßige Nutzung der Wälder nötig. Die ersten Holzknechte waren in den Wäldern der Gebirge tätig; im Flachland gab es noch um die Mitte des vorigen Jahrhunderts keinen eigenen »Holzerstand« - und eine geregelte Ausbildung kennt man erst 60 oder 70 Jahre.

Das harte Leben lernte der Sohn eines Holzknechts schon im Knabenalter kennen. Er musste Hilfsdienste in der Holzknechthütte leisten, die Stube reinigen, Kleinholz hacken, Feuer machen und Wasser tragen. Mit diesen Arbeiten endete meist auch die Berufslaufbahn eines Holzknechts, wenn er alt und gebrechlich war.

So mancher Holzknecht fand damals aber auch beim Bäumefällen den Tod, denn nicht jeder Baum fiel in die vorbestimmte Richtung. Andere erlitten beim Entasten oder Kerbenhacken Verletzungen und mussten ihren weiteren Lebensunterhalt fortan oft noch mühsamer verdienen, denn eine Unfallversicherung gab es bis ins zwanzigste Jahrhundert nicht, bestenfalls eine kleine Unterstützung aus der »Bruderlade«.

Diese Zeichnung stammt aus dem Mittelalter. Sie gehört zu einer Handschrift aus dem französischen Zisterzienserkloster Citou von 1120 und zeigt Mönche bei der Forstarbeit: Während der Novize im kurzen geschlitzten Rock oben im Eichbaum noch mit einer Hippe die Äste abschlägt, ist der Mönch am Fuß der Eiche bereits eifrig beim Fällen des Stammes. Zwei Fällkerben hat er schon angelegt.

Nicht nur das Fällen war in den Bergwäldern gefahrvoll, auch der Transport der Stämme mit schweren Schlitten oder auf reißenden Bächen zu Tal. Zwängte sich solch ein Bach beispielsweise durch eine tiefe Klamm, so blieb nicht selten ein Baumstamm an einem Felsen hängen. Nun legten sich die Stämme kreuz und quer übereinander; immer neues Holz kam nach: Es gab eine »Verklarung«. Dies war eine der gefürchtetsten und auch gefährlichsten Situationen bei der Trift. Ein Holzknecht musste an einem Seil die Felswand hinabgelassen werden, damit er, auf den hochaufgetürmten Stämmen stehend, diesen Knäuel entwirrte. Gelang es ihm, den verspreizten Stamm mit der Axt zu lösen, geriet der ganze Holzberg in Bewegung. Nur ein rasches Hochziehen konnte den Mutigen vor dem Tode retten. Doch nicht selten misslang dieses Unternehmen; mancher Holzknecht wurde von dem in Bewegung geratenen Holz zermalmt.

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