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Eifel

Kapitel in: Eifel

Drei Landschaften und ein Gebirge

Drei Landschaftsformen mit ganz unterschiedlichen Waldarten prägen den eindrucksvollen nordwestlichsten Teil des Rheinischen Schiefergebirges: die Eifel.Eifel

Das Rheinische Schiefergebirge entstand vor etwa 300 Millionen Jahren in der Karbonzeit. Seine Auffaltung umfasst, westlich des Rheins, Eifel und Hunsrück sowie, östlich davon, das Siebengebirge, den Westerwald, das Bergische Land, das Sauerland, das Siegerland und den Taunus. Erst im Tertiär, also vor 60 Millionen Jahren, begann der Rhein, sich seinen Weg quer durch das Gebirge zu graben. Damals war das alte Gebirge der Karbonzeit abgetragen, und sein eingeebneter Rumpf fing an, sich zu heben. Der Rhein schnitt sich dabei allmählich in das unter ihm aufsteigende Gebirge ein.

Die Bergzüge der Eifel - die durchschnittlich 500 bis 600 Meter messen, im westlichen Teil noch einmal etwa 100 Meter höher sind - bestehen im Grunde aus drei geologischen Landschaftseinheiten.

Da ist einmal die Schiefereifel, die vor allem den westlichen und nordwestlichen Teil der Eifel bildet. Auf ihren nährstoffarmen Tonschiefer- und Sandsteinböden wachsen in ausgedehnten Wäldern hauptsächlich Fichten. Wahrzeichen der Schiefereifel ist das Hohe Venn, dessen Plateau sich über die deutsch-belgische Grenze hinüberzieht. Die kaum wasserdurchlässigen, lehmigen Tonschieferböden und die reichlichen Niederschläge trugen dazu bei, dass sich auf den Hochflächen und in den flachen Mulden im Hohen Venn viele mächtige Hochmoore bildeten - ein Umstand, dem das Hohe Venn (Venn oder Fenn bedeutet niederdeutsch Sumpf) seinen Namen verdankt. Daneben gibt es viele künstlich angelegte Nadelforste, außerdem Eichen- und Birkenwälder sowie Moorheiden. Ein weiteres charakteristisches Landschaftsbild der Schiefereifel sind langgestreckte, schmale Bergrücken aus härteren Quarzitgesteinen. Deren höchster, die Schnee-Eifel oder auch Schneifel genannt, erreicht fast 700 Meter über Meereshöhe.

Dann gibt es, zweitens, die Kalkeifel - sie zieht sich von Mechernich aus quer durchs Gebirge, rund 25 Kilometer breit. In den aus Dolomit-und Kalkstein bestehenden Untergrund haben einige Flüsse, beispielsweise Ahr oder Kyll, schluchtartige Täler gegraben. Die Trockentäler, Karstquellen und Trockenrasen sind typisch für Kalksteingebiete.

Am berühmtesten jedoch ist die Eifel wegen ihrer dritten Landschaftsform - geprägt durch vulkanische Erscheinungen. Als der Gebirgsrumpf in jüngster erdgeschichtlicher Zeit in kleinere Schollen zerbrach, drang an den Bruchstellen vulkanisches Magma an die Oberfläche. Im Tertiär, vor rund 40 Millionen Jahren, begann in der Eifel das Zeitalter des Vulkanismus; während der Eiszeiten kam es zu einer erneuten Belebung der Vulkantätigkeit, deren Höhepunkte die Menschen der Frühgeschichte noch miterlebt haben müssen; die heftigsten Ausbrüche fanden vermutlich vor etwa 11000 bis 12000 Jahren statt. Ein Teil der Eifel legt von diesen Eruptionen Zeugnis ab: die Hohe Eifel oder Vulkaneifel mit ihren markanten Kegeln, etwa der Hohen Acht (747 m), und mit ihren eindrucksvollen, aus der jüngsten vulkanischen Periode stammenden Maaren.

Eine Anhäufung dieser fast kreisrunden, oft waldumstandenen Maare gibt es in der Nähe von Daun. Das größte Maar aber ist der Laacher See bei Andernach, nordwestlich von Koblenz. Im Westen erstreckt sich das Gebiet der Maare bis zur Schnee-Eifel. Nur bei wenigen Maaren handelt es sich um wassergefüllte Krater erloschener Vulkane; die meisten sind vulkanische Sprengtrichter, die bei heftigen Gasausbrüchen entstanden. Auch die vielen mineralhaltigen, teilweise heißen Quellen gehen in ihrem Ursprung auf die Vulkantätigkeit während der Eiszeit zurück.

Nach dem Ende der Eruptionen setzten sich zunächst einzelne Gräser und niedere Pflanzen auf den Lava- und Ascheflächen der Vulkaneifel fest. Später, als die Humusschicht allmählich dicker wurde, folgten Sträucher und Büsche - und schließlich ausgedehnte Wälder, die auch die lavafreien Flächen der Eifel überzogen. Sie wurden jedoch vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert hinein weitgehend abgeholzt. Erst dann begann die Wiederaufforstung, größtenteils mit Fichten; auch Mischwälder entwickelten sich vereinzelt - was aber nichts daran änderte, dass zu Anfang unseres Jahrhunderts noch die Hälfte der gesamten Eifelfläche von Fichtenwäldern bedeckt war. Die Kämpfe der beiden letzten Weltkriegsjahre hatten auch für die Wälder verheerende Folgen: Viele wurden durch Bomben und Granaten zerfetzt und verkamen in der Nachkriegszeit zu einem undurchdringlichen Gewirr von Baumruinen, zwischen denen allerdings die Hirsche sehr rasch heimisch wurden, weil sie sich ungestört fühlten und ausreichend Nahrung fanden. Sie gefährden - nächst dem Sauren Regen - die Eifelwälder ganz erheblich.

An den Hängen der Flüsse Mosel und Ahr, die sich tief in das Gestein einschnitten, weicht der Wald den Weinbergen. Dort reifen, geschützt vor den rauhen Winden der Hochflächen, wohlmundende Weine, deren Reben oft auf vulkanischem Untergrund wachsen. Die mineralische Zusammensetzung des Lavagesteins und seine Fähigkeit, die Wärme zu speichern, begünstigt den Weinbau ganz wesentlich.

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