Der deutsche Wald kann mehr als rauschen

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Gefährdete Arten

Gefährdete Arten - Allesfresser

Kapitel in: Gefährdete Arten

Die Allesfresser haben es im Wald leichter

Wisent
Der Wisent ist ein enger Verwandter des amerikanischen Bisons und war früher in unseren Wäldern heimisch.

Den Tieren, die sich an ganz bestimmte Naturgegebenheiten angepasst haben, geht es besonders schlecht. Die mobilen, an keine speziellen Lebensräume angepassten Allesfresser wie die Krähen und Ratten haben es da schon besser.

Falls es nicht allzu intensiv bejagt wird, ist auch das Wildschwein wohl kaum auszurotten. Vom Fallwild - verendeten Tieren also - bis zur Eichel und vom Engerling bis zum Mais frisst so ein Wildschwein alles auf, was es findet - und sein Streifrevier ist groß genug, dass es Störungen jederzeit ausweichen kann.

Zu den Allesfressern, die den reichen Tisch der Kulturlandschaft abräumen, gehören aber auch Fremdlinge wie die nordamerikanischen Waschbären, die sich ganz prächtig in den Wäldern und am Waldrand vermehren, seit ihre Ahnen den Zuchtfarmen entwischt sind. Waschbären sind dem Fuchs überlegen, weil sie klettern können. Dieses neu eingebürgerte Tier wird aus unseren Wäldern sicher nicht mehr verschwinden, obwohl es hart bejagt wird und jedes Jahr mehr erlegt werden. Erwünscht ist dieser Kükendieb und Amphibienfresser, dieser Obstliebhaber und Maisfutterer keineswegs, doch er ist zu intelligent und zu wendig, als dass man ihn im Wald völlig ausrotten könnte. Obendrein ist er auch noch nachtaktiv.

Wahrscheinlich werden im Lauf der Jahre auch die ebenso unerwünschten und weit herumstreifenden asiatischen Marderhunde, die aus dem Osten eingewandert sind, in den Wäldern zunehmen. Sie sind ebenfalls Allesfresser, können aber als Wildhunde nicht klettern. Am Erfolg dieser im Verborgenen lebenden Zuwanderer lässt sich ablesen, warum es unseren heimischen Fleischfressern so schlecht ging, als sie zu einer Gefahr für das Weidevieh wurden. Die Wölfe, in Rudeln lebend, waren leicht auszurotten. Bären sind viel zu auffällig, um sich verstecken zu können, wenn sie ernsthaft bejagt werden; also ging es auch ihnen ans Fell. Ihre Wiedereinbürgerung scheint ausgeschlossen, weil die Zivilisationsmenschen ganz einfach viel zuviel Angst vor Wölfen und Bären haben. Zwar hat sich im Südosten Österreichs herausgestellt, dass die Waldbauern dort sehr wohl mit eingewanderten Braunbären auskommen können, die ja ohnedies vor allem Pflanzenfresser sind. Aber in der Bundesrepublik wohnen eben vornehmlich Städter und städtisch denkende Menschen, und die haben Angst vor wilden Tieren - auch wenn diese Tiere noch so scheu und zurückhaltend sind.

Ganz sicher würde jede Bestrebung, Bär und Wolf in unseren Wäldern wieder heimisch zu machen, nicht nur von den Jägern erbittert abgewehrt. Angst, Konkurrenzneid und Versicherungsdenken - »Wer haftet, wenn etwas passiert?« - würden kräftig zusammenwirken. Ähnlich, aber nicht ganz so abwehrend ist die allgemeine Haltung gegenüber dem im letzten Jahrhundert bei uns ausgerotteten Luchs. Der macht es seinen Freunden, die ihn wieder einbürgern möchten, schwer, weil er ein allzu menschenähnliches Verhalten zeigt: Luchse benützen überall die menschlichen Pfade, Wege und Straßen - und dort kommen auch die meisten von ihnen um. Im Nationalpark Bayerischer Wald gab es fast keine Luchse mehr, obwohl die Aussetzung zunächst erfolgreich war. Einige wurden dort allerdings auch gewildert, einige sind offenkundig dem Menschentrubel auf den Wanderwegen ausgewichen in die leere Landschaft hinter der Grenze. Das und vor allem die Verluste durch den Autoverkehr haben dazu geführt, dass viele der ausgesetzten Luchse samt ihren Jungen verschwunden waren.

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