Der deutsche Wald kann mehr als rauschen

« « Startseite | « Vom Wald zum Forst Vom Wald zum Forst


Flößerei

Flößerei

Kapitel in: Flößerei

Weil der Herzog Geld brauchte, hatten die Flößer Hochkonjunktur

FlößerIn der Einbindstube beginnt der Bau eines neuen Gestörs. Mit Holzbohrern, die wie riesenhafte Korkenzieher aussehen, haben die Flößer Löcher in die Stämme gebohrt. Dorthinein wurden eiserne Ösen gedreht, durch die man nun wiederum die Wieden zieht.

Die große Zeit der Flößer aus dem Nordschwarzwald begann im 18. Jahrhundert. Sie brach an, weil der württembergische Herzog Carl Eugen notorisch knapp bei Kasse war und weil dessen aufwendige Schlossneubauten und die luxuriöse Hofhaltung enorme Summen verschlangen - und also fing, aus reinen Geldbeschaffungsgründen, unter des Herzogs Regentschaft die große »Holz-Kampagne« an im bisher stillen Nordschwarzwald. Der eignete sich besonders, weil dort auf den Flüssen Enz und Nagold schon seit langem geflößt worden war.

FlößerSchwarzwaldflöße waren zwar lang, aber sehr schmal. Mehr als vier Meter Breite erreichten sie fast nie, weil die Gewässer, in denen sie zu Tal schwimmen sollten, recht schmal waren. Dank der flexiblen Verbindung der Gestöre waren die Flöße aber ziemlich kurvengängig - notwendigerweise, denn sie mussten vielen Biegungen und Windungen folgen.

Im Unterschied zu den Männern, die auf großen und breiten Flüssen ihre Dienste versahen, nannte man die Flößer auf den engen und oft reißenden Mittelgebirgsflüsschen die Wildbachflößer; sie waren die härteren, die verwegeneren Gesellen. Während die großen Ströme das ganze Jahr hindurch genügend Wasser führten, erwies sich der Holztransport auf den Bergflüssen als problematisch. Zwar war man bemüht, die Hauptmenge des Holzes in der Hochwasserzeit zu flößen, also zur Schneeschmelze und nach längeren starken Regenfällen; aber natürlich wollte man auch in der übrigen Zeit Holz transportieren. Dazu war es nötig, im Oberlauf der Flüsse allerlei Schwell- oder Floßweiher anzulegen und sogenannte Wasserstuben zu bauen: im Grunde nichts anderes als kleine Stauwehre mit Floßmauern und Stellfallen, die nach Bedarf geschlossen und wieder geöffnet werden konnten.

FlößerFlößer waren rauhe Gesellen, ihr Mut fast sprichwörtlich. Immerhin trugen sie bewusst große Verantwortung: ihrer Geschicklichkeit vertraute man ein Vermögen an, denn schon ein relativ kleines Floß transportierte 180 bis 250 Festmeter bestes Holz, das einen hohen Wert darstellte.

So verwandelten die Flößer selbst enge, gewundene Bäche in vielbefahrbare Wasserstraßen. Ihre Anlagen waren gut aufeinander abgestimmt und bildeten ein wohldurchdachtes Stau- und Wasserregulierungssystem.

Die gefällten Stämme wurden zunächst mit Pferden oder Ochsen zu den Einbindestellen geschleppt; die hießen so, weil man dort die Stämme zu Gestören einband, also zu kleinen Flößen zusammenfügte. Die Einbindestellen waren meist zugleich Wasserstuben; man sprach deshalb auch von Einbindstuben.

Weiter: Die kräftigsten Flößer steuerten »

« Zurück: Als das Wasser Balken hatte
Bei Amazon

© 1986 by PhiloPhax & Lauftext

Reise Rat - Neckarkiesel - SCHWARZWALD.NET

Waldführer bei Amazon