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Nordhessisches Bergland

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Vogelsberg

Urwald und Moore auf dem VulkanVogelsberg

BilsteinsDie Basaltkuppe des 666 Meter hohen Bilsteins gewährt eine herrliche Aussicht über den Vogelsberg und das Vorland, ist aber auch als Kletterfelsen beliebt.

Mitten in Hessen erhebt sich der annähernd kreisrunde Basaltkegel des Vogelsberges. Mit etwa 60 Kilometern Durchmesser gilt er als größter erloschener Vulkan Mitteleuropas.

Der Bergkegel entstand vor rund zwei Millionen Jahren, im Jungtertiär, als Folge vulkanischer Vorgänge im Erdinnern. Glutflüssiges Magma drang hier und da in Spalten und Gängen durch die Tertiär- und Buntsandsteinschichten bis an die Erdoberfläche und breitete sich nun flächenhaft aus, wie ein riesiger gewölbter Schild.

Mit seinen 2500 Quadratkilometern ist der Vogelsberg das größte zusammenhängende Basaltgebiet Europas: eine im Osten flacher, im Westen etwas steiler ansteigende, kuppelförmig aufgewölbte Erhebung. Oberhalb von 600 Metern bildet er ein gewelltes, ziemlich stark bewaldetes Plateau: den Oberwald. Daraus erheben sich, fast unmerklich, die Gipfel des Vogelsberges: Taufstein (773 m), Hoherodskopf (764 m) und Sieben Ahorn (755 m).

Der Oberwald bildet den Kern des 1957 gegründeten, 384 Quadratkilometer großen Naturparks Hoher Vogelsberg. Er ist (nach der Lüneburger Heide) der Zweitälteste Naturpark in der Bundesrepublik. In dieser Höhe weht die Luft meist frisch - was bewirkt, dass Frühjahrsblüte und Fruchtreife oft länger auf sich warten lassen. Die Vogelsberger Zwetschgen brauchen - so wird behauptet - zwei Jahre zum Reifen; doch im Oberwald kommen Zwetschgen ohnehin kaum vor. Hier, in »Hessisch Sibirien«, ist vor allem die Buche heimisch, dazu Lärche, Esche und Bergahorn, Hainbuche und Eiche. In den letzten Jahrhunderten wurde viel gerodet. Viele der so entstandenen Weideflächen wurden später wieder aufgeforstet, vorwiegend als Fichtenkulturen. Der urwaldartige Laubholzbestand im Naturschutzgebiet Blockfelder am Taufstein ist ein Beispiel für den ursprünglichen Waldbewuchs des Hohen Vogelsberges.

Breungeshainer Heide
Die Moore des Vogelsbergs bieten wegen ihres sauren Bodens seltenen Pflanzen Lebensmöglichkeit. Streng geschützt ist das Hochmoor Breungeshainer Heide.

Ganz in der Nähe, zwischen den Basalterhebungen Taufstein und Geiselstein, liegt das Hochmoor Breungeshainer Heide. Eine undurchlässige Lehmschicht dichtet den Boden ab; die dicke Torfschicht darüber wird nur von Niederschlägen gespeist. Auf diesem extrem sauren Boden wachsen Moorbirken, Bergkiefern und Fichten, Wollgras, Pfeifengras, Erika, Moosbeere und der rundblättrige Sonnentau, der Insekten mit klebrigen Härchen einfängt, um den bei deren Verwesung freiwerdenden Stickstoff aufzunehmen.

Das Moor steht unter strengem Schutz; es darf von keinem Besucher betreten werden. Doch eine zehn Kilometer lange Rundwanderung, die am Hoherodskopf beginnt, führt nahe genug an die Breungeshainer Heide heran, um einen Eindruck von der melancholischen Schönheit dieses Hochmoores zu vermitteln.

Ein kurzer Abstecher bringt Sie auf den höchsten Punkt des Vogelsberges, den Taufstein. Dort erhebt sich der aus Feldsteinen gemauerte Bismarckturm. Von dessen Aussichtsplattform blicken Sie bei guter Sicht bis zum Taunus und zur Rhön.

Falls Sie aber nicht wandern wollen - auf dem Hoherodskopf wird einiges geboten: Gaststätten, Kioske für Andenken und Erfrischungen, zur Winterzeit ein Skigelände mit Liften, Pisten und Loipen - und in der schneelosen Zeit eine 750 Meter lange Sommerrodelbahn, die vor allem Kindern Spaß macht. Auf kleinen Räderschlitten rollt man in vielen Kurven zu Tal, wobei sich die Fahrt mit einem Bremshebel verlangsamen lässt Ein Lift zieht Schlitten und Fahrer wieder bergauf.

SchottenSchotten mit seinem charakteristischen Fachwerk-Rathaus ist Ausgangsort vieler Wanderungen in das Vogelsberggebiet.

Im übrigen trifft man im Naturpark Hoher Vogelsberg auf die heimischen Waldtiere: Hirsch, Reh, Wildschwein, Fuchs, Hase, Eichhörnchen, Mauswiesel, Marder, Hermelin. Zuweilen sehen Sie auch Mufflons, selten jedoch die nachtaktiven Waschbären, die wie die Mufflons eingebürgert wurden. Außerdem empfiehlt sich ein Besuch im Fachwerkstädtchen Schotten. Der Ort heißt so, weil er im 8. Jahrhundert von schottischen Mönchen gegründet wurde. Sehr schön sind das spätgotische Alte Rathaus und der hochgotische Flügelaltar in der Liebfrauenkirche. Am interessantesten aber ist das Heimatmuseum: ein Bürgerhaus aus dem frühen 19. Jahrhundert, das von urgeschichtlichen Funden bis zur bäuerlichen Wohnkultur alles zeigt, was man aus dem Leben der Vogelsberger zusammentragen konnte.


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