Der deutsche Wald kann mehr als rauschen

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Teutoburger Wald und Weserbergland

Kapitel in: Teutoburger Wald und Weserbergland

Im Reinhardswald und Bramwald

Ein Hutewald für 20 000 Schweine

Einst bildeten Reinhards- und Bramwald nur eine einzige Landschaft. Dann schuf die Weser zwischen ihnen ein tief eingeschnittenes Tal, an dessen Hängen viele Buchen stehen.Reinhardswald und Bramwald

SababurgDie Sababurg gilt als das verträumte Dornröschenschloß aus dem Märchenbuch.

Charakteristisch für diese Region sind die beiderseits der Weser waldbedeckten weiten Hochflächen aus Buntsandstein-Hochflächen, die da und dort von kleinen Basaltkuppen überragt werden. Rodungsinseln finden sich nur wenige, zum Beispiel um die Ortschaft Gottsbüren und um die Sababurg. Indessen taugen die feuchten Molkenböden dieser Gegend - Böden, auf denen das Wasser sich staut - zur Landwirtschaft denkbar wenig, und selbst die Forstwirtschaft hat damit ihre Probleme. Die flachwurzelnden Fichten zum Beispiel, die man auf den ursprünglich von Buchen und Eichen bewachsenen Hochflächen anpflanzte, erwiesen sich als durchaus nicht wetterfest: Im Jahr 1973 richteten schwere Stürme in den Beständen unermessliche Schäden an.

Große Teile des südlichen und mittleren Reinhardswalds sind heute als Wildschutzgebiet ausgewiesen. Schilder an den Wegrändern weisen darauf hin, dass Sie die Wege nicht verlassen sollen und dass Hunde - auch angeleint - unerwünscht sind; denn diese Region gilt als eines der wichtigsten Rotwildreviere der Bundesrepublik Deutschland.

Da das Zentrum des Reinhardswaldes möglichst naturbelassen bleiben soll, hat man Parkplätze und Wanderwege fast ausnahmslos in Randgebieten angelegt.

Vom Parkplatz Forstscheid bringt Sie ein Wanderweg durch alte Buchen- und Eichenwälder mit kräftigem Bodenbewuchs, vorbei an dichten Farngewächsen, an Birken, Lärchen und Fichten, zur Sababurg. Das Schloss steht anmutig auf einem Basaltkegel, von Freiland umgeben. Auf den Ruinen der älteren Burg hatte Landgraf Wilhelm II. von Hessen 1490 ein Jagdschloss erbauen lassen. Im Dreißigjährigen Krieg war dieses Schlößchen dann fast völlig zerstört worden. Erst als das Land Hessen 1959 die Renovierung übernahm und ein Hotelrestaurant darin einrichten ließ, kam wieder neues Leben in die Burg.

Am Burgparkplatz machen Schilder auf den nahe gelegenen Wildpark aufmerksam; schon 1571 gab es hier einen »Thiergarten«, der zwei Jahrzehnte später mit einer noch heute erhaltenen Mauer eingefasst wurde. Genau 400 Jahre später machte man sich an die Neuanlage des Parks. Unter alten, knorrigen Eichen und glattstämmigen Buchen leben Wisente, Wildpferden ähnliche Rückzüchtungen und einheimisches Wild, aber auch Känguruhs, verschiedene Affenarten, Präriehunde und Pinguine.

ReinhardswaldMächtige Eichen und alte Buchen findet man noch häufig im Reinhardswald.

In dem Wildpark hat man auch ein altes, noch aus der Zeit vorm Dreißigjährigen Krieg stammendes Diemelsachsenhaus wieder aufgebaut, dessen forst- und jagdmuseale Sammlung sehr Studierenswert ist. Mehrmals im Jahr wird ein Kohlenmeiler in Betrieb genommen.

Vom Tierpark sind es nur noch anderthalb Kilometer bis zum »Dreckstor«, zwei Parkplätzen am Rand des Naturschutzgebietes Urwald Sababurg am Kuhberg. Empfohlen sei Ihnen eine Wanderung quer durch den »Urwald«, den man sich allerdings nicht als unberührten Naturwald, sondern als ein forstwirtschaftlich lange Zeit nicht mehr genutztes Gebiet vorstellen muss. Ehedem, vor vier Jahrhunderten, wurden hier 20 000 Schweine mit Eicheln gemästet, und dieser Hutewald - ein Revier zum Weiden des Viehs - existierte noch bis in die zweite Hälfte des vorletzten Jahrhunderts. Heute wachsen dort (auf einer Fläche von 92 Hektar) 200- bis 600jährige Eichen - gewaltige, zum Teil schon absterbende Bäume, von denen manche einen Umfang von sieben Metern haben. Dazwischen wurzeln 400jährige, verschlungen gewachsene Buchen, hellstämmige Birken und weite Strauchdickichte. Am Boden liegen mächtige Baumleichen, zum Teil hohl, vom Blitz getroffen und verbrannt, zum Teil aus Altersschwäche niedergestürzt.


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