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Burgen und Schlösser

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Der Jagdstern zu Clemenswerth

Schloss Clemenswert
Das Luftbild von Schloss Clemenswerth zeigt den Blick über den Klostergarten auf den Kloster-Pavillon der Anlage.

Südwestlich von Oldenburg, beim kleinen Ort Sögel, liegt mitten im Wald eines der originellsten, hübschesten Jagdschlösser, die uns erhalten blieben. Bauherr war Clemens August, Sohn des Kurfürsten Max. II. Emanuel von Bayern. Burgen und Schlösser

Noch keine 30 Jahre alt, vereinigte der junge Wittelsbacher schon große Macht auf sich: Erwar Fürstbischof von Münster und Paderborn, Kurfürst von Köln, Bischof von Hildesheim und Osnabrück. Doch weder die geistliche noch die politische Arbeit interessierten ihn sonderlich. Seine Liebe gehörte dem Theater, der Musik und, vor allem, der Jagd - er war eben durch und durch ein Kind seinerzeit.

Oft setzte er Parforcejagden - das waren Hetzjagden zu Pferd, die damals beliebteste Art zu jagen - beim Vogt von Sögel am Hümmling an. Doch die Absteige dort gefiel ihm nicht, sie schien ihm eines Kurfürsten nicht würdig. Als der Deutschritter-Orden den 32jährigen Clemens August 1732 zum Hochmeister wählte, brachte das, neben der Würde, auch bedeutende Einnahmen. Nun war genug Geld für ein Schlößchen da. Den Baumeister hatte der Kurfürst schon: den berühmten Johann Conrad Schlaun aus Münster. 1736 hatte Schlaun die Pläne für das Jagdschloss beim Dorf Sögel fertig: Er wollte einen »Jagdstern« bauen; acht Alleen sollten sternförmig auf den »Churfürstlichen Pawillon« zuführen, welcher umstanden war von acht »kleinen Pawillons«. Am Ende der nach Westen führenden Allee war die »Stallung vor 200 Pferde« vorgesehen.

14 Jahre später war alles fertig; vom Marstall wurde allerdings nur eine Hälfte gebaut. Das Resultat übertraf sämtliche Jagdschlösschen, die Schlaun als Vorbild gewählt hatte - sogar Marly de Roi, das Jagdschloss Ludwigs XIV., das westlich von Paris lag.

Das Gelände zwischen den Alleen wurde weiter aufgeforstet. Dazu ließ man aus vielen Teilen des Fürstbistums Buchen, Eschen, Eichen, Kiefern, Fichten, Erlen und Ulmen anliefern. Die 800 Meter lange Hauptallee wurde durch drei Teiche abgeschlossen, die mit Kanälen verbunden waren - für die Wasserjagd.

Was der Jagd- und baufreudige Clemens August im Hümmling anlegen ließ, mitten im tiefen Wald, kann man noch heute - nahezu unverändert - besichtigen. Der erste Blick zeigt, was Schlaun mit dem Jagdstem gemeint hatte. Genau im Schnittpunkt der acht Alleen steht das Jagdschlösschen, ein Achteck mit zwei Kreuzarmen, welche kupferne Mansarddächer tragen. Die Seiten der vorspringenden Arme sind mit Jagdmotiven aus Sandstein geschmückt - man sieht Hasen, Rebhühner, Eber, Hirsche, Reiher und viel anderes Getier.

Auch die acht Pavillons fürs Gesinde, die das Schloss umstehen, ließ der Kurfürst in rotem Backstein bauen. Einer wurde zur Schlosskapelle, in einem anderen Pavillon brachte der kurfürstliche Herr etliche Kapuzinermönche unter, die für sein geistliches Wohl zu sorgen hatten - schließlich war er nebenbei ja noch vierfacher Bischof.

Im Jahr 1761 starb Clemens August. 200 Jahre später wurde die barocke Schlossanlage restauriert. Das Emslandmuseum zeigt dort nun einiges aus kurfürstlichem Besitz. Doch nicht das (durchaus gelungene) Museum ist das eigentlich Sehenswerte: Es ist die Gesamtanlage, worin Wald und Baukunst, Jagd und Luxus eine einzigartige Verbindung eingegangen sind.

Schloss Clemenswert
Den Generalplan von Schloss Clemenswerth zeichnete Johann Conrad Schlaun. Die Anlage wurde von 1736 bis 1746 im wesentlichen so gebaut, wie Schlaun das vorgesehen hatte.


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