Der deutsche Wald kann mehr als rauschen

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Wandern

Kapitel in: Wandern

Gut auf den Beinen

In der Bundesrepublik Deutschland gibt es inzwischen mehr Kilometer markierter Wanderwege als Autostraßen. Wie ein dichtes, wohldurchdachtes Netz durchziehen sie unsere Wälder. Und die ehrenamtlichen Streckenpfleger der Wandervereine tun alles, um beim Setzen von Zeichen und Wegweisern keine Lücken entstehen zu lassen. Da kann sich der Spaß am Wandern voll entwickeln.Wandern

Deutschland war einst ein Agrarland. Die Bevölkerung lebte noch in enger Beziehung zur Natur. Doch dann lockten die technische Entwicklung und die Hoffnung auf bessere Verdienstmöglichkeiten - ein typisches Phänomen unserer industriellen Neuzeit - die Landbewohner in die Städte, weg vom Hof, fort von der Heimat. Und in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstand eine Gegenbewegung. Es hieß nun: zurück zur Natur!

Die Industriearbeiter begannen, in ihrer knapp bemessenen Freizeit die unbewohnte Flur zu entdecken, Wälder Seen, Wiesen - und so begann, zunächst in bescheidenem Ausmaß, der Tourismus: raus aus der Stadt, hinaus aufs Land. Mit der Postkutsche, dem Stellwagen, der Eisenbahn oder auch schlicht zu Fuß. Das Wandern in der Gruppe wurde üblich, der Ausflug ins Grüne gehörte zu jedem Sonntagsprogramm. In den Mittelgebirgen entstanden die Wandervereine, von denen sich viele zunächst »Touristenvereine« nannten. Deren Bemühungen verdankt die Nachwelt viel, bis auf den heutigen Tag: nicht nur die Einrichtung von Aussichtstürmen, Unterkunftshäusern und Schutzhütten, sondern ebenso die Markierung der Wanderwege, zu schweigen von den Orientierungshilfen der Wanderkarten und der Wanderführer. Und noch etwas geht auf die Initiative der damaligen Wandervereine zurück: die Einführung preiswerter Sonntagsrückfahrkarten durch die damalige Deutsche Reichsbahn.

Wer seinerzeit des Sonntags vergnügt den frühlingshellen Pfälzer Wald durchtrabte, um dem Qualm der Industrieschlote zu entfleuchen, der summte bereits am Montag hinter dem Schraubstock voll Sehnsucht das Lied: »Aus grauer Städte Mauern ziehn wir in Wald und Feld. . .«. Seine Weggenossen waren Handwerksburschen auf der Walz, aber auch natursüchtige Künstler und spazierende Nobilitäten.

Vor allem unsere Geistesgrößen schätzten das Reisen: Nicht wenige von ihnen sind zu wiederholten Malen abgesprungen vom harten Sitz der Postkutsche, um sich »auf Schusters Rappen« allein durchzuschlagen, einfach weil ihnen das hohe Holpertempo der Kutschen zuwider war - welch eine traumhafte, glückliche Zeit! Voll Inbrunst schildern Heine und Hesse, Seume und Scheffel, Eichendorff und Goethe ihre Erlebnisse mit Landschaften. Der Schwabe Friedrich Hölderlin wanderte sogar im tiefen Winter 1797/98 von Tübingen bis nach Bordeaux, in achtzehn Tagen war er am Ziel.

Hinweistafel
Die Hinweise der Wandervereine - hier am Kleinen Arbersee im Naturpark Bayerischer Wald - sind meist sehr instruktiv.

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