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Selbst Pflanzen, die als harmlos gelten und die wir ahnungslos essen, bergen Gefahren - zum Beispiel der angenehm säuerlich schmeckende Sauerklee, an dem sich die Kinder so gern vergreifen. In großen Mengen genossen, kann Sauerklee durchaus schaden: das in der Pflanze enthaltene Kleesalz bewirkt nämlich schwere Störungen im Kalzium-Haushalt des Körpers.
Ein (giftiger) Roter Fingerhut.
Giftig, teils zur Gänze, teils partiell, sind unter den Waldpflanzen besonders: Efeu, Eibe, Liguster, Mistel, Schneeball, Stechpalme, Zwergholunder, Waldgeißblatt, Aronstab, Einbeere, Fingerhut, Maiglöckchen, Nieswurz, Salomonssiegel und auch der Goldregen, der manchmal verwildert in Wäldern vorkommt. Verlockend, und mithin gefährlich sind meist die Früchte, die von Kindern oft mit essbaren verwechselt werden.
Es gibt keine allgemeingültige Regel, wie die Gefährlichkeit von Pflanzen oder Pflanzenteilen sich erkennen ließe. So wenig der Wohlgeschmack einer Frucht oder die Schönheit einer Pflanze etwas über deren Bekömmlichkeit aussagt, so wenig kann man beispielsweise vom Blauen des Fleisches an einem Pilz auf dessen Giftigkeit schließen. Jede Pflanze aus der Natur, die wir essen, jede Heilpflanze, die wir anwenden wollen, müssen wir genau kennen. Der Laie sollte sich allzeit dessen bewusst sein, dass es Verwechslungsmöglichkeiten gibt, von denen er nichts ahnt. So starben im Jahr 1825 mehr als 100 Soldaten während eines Waldmanövers an Vergiftung durch Atropin - und warum? Weil sie völlig ahnungslos die verlockenden kirschähnlichen Früchte der Tollkirsche gegessen hatten.
Zu ganz besonderer Vorsicht mahnt der Umgang mit Pilzen - Vergiftungsfälle sind auf diesem Gebiet auch heute noch häufig. Jedes Jahr kommt es allein in Deutschland zu tödlichen Vergiftungen, besonders durch Knollenblätterpilze: Schon 50 Gramm Frischpilze - das entspricht 0,1 mg des Giftes Amanitin - können einen Erwachsenen töten. Das schrecklichste Unglück dieser Art spielte sich 1918 ab, als ein einziges Pilzgericht 31 Schulkinder das Leben kostete.