Der deutsche Wald kann mehr als rauschen

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Geschichte des Waldes

Kapitel in: Geschichte des Waldes

Die Zeit der immergrünen Wälder war vorbei

Abdrücke von LaubblätternAbdrücke von Laubblättern findet man erst in Ablagerungen aus der Kreidezeit. Denn Laubbäume kamen erst spät in der Geschichte der Wälder. Nadelbäume traten dagegen schon gegen Ende des Karbons auf.

Kohle heißt auf lateinisch »carbo«; und so nennt man jene Epoche, die etwa 250 bis 320 Millionen Jahre zurückliegt, das Karbonzeitalter. Fast alles, was wir von dieser erdgeschichtlichen Epoche wissen, wurde buchstäblich in den Kohlebergwerken zutage gefördert; denn sonstige Zeugnisse gibt es nicht: Bereits die folgende Epoche, das Perm (250 bis 220 Millionen Jahre vor der Zeitrechnung), war extrem trocken. Diese Epoche des sogenannten Erdaltertums verwandelte das tropische und grüne Mitteleuropa in halbwüsten- bis wüstenartige Landschaften. Selbst die Tiere, die zum Überleben das Meer aufsuchten, wurden ein Opfer der Sonne; denn deren Glut brannte so unbarmherzig, dass vielfach sogar die Binnenmeere austrockneten. Geschichte des Waldes

Im heißen, wasserarmen Mitteleuropa war jetzt die Zeit der Reptilien gekommen, die wenig Wasser brauchten und an ihren Schuppen einen tauglichen Verdunstungsschutz sowie einen Hitzeschild hatten. Auch die Bäume folgten der klimatischen Entwicklung. Hitze und Trockenheit hatten die Steinkohlewälder des Karbons vernichtet, gegen dessen Ende zu bereits die ersten Koniferen entstanden waren. Die waren unseren heutigen schon sehr ähnlich.

Den Pflanzen im feuchten Karbon, zu denen unter anderem die Vorfahren der heutigen Nadelbäume zählen, hatten noch einfache Sporen zur Vermehrung genügt. Es begannen nun, in der trockenen Periode des Perm, die ersten Samenpflanzen sich zu entwickeln. Die hatten gegenüber den samenlosen Vorgängern einen großen Vorteil: Sie brauchten keine äußere Feuchtigkeit zur Fortpflanzung, wie sie bei Sporenpflanzen nötig ist.

Das beginnende Erdmittelalter - die Zeit der Trias und des Jura, zweier Epochen, die 220 bis 130 Millionen Jahre zurückliegen - war die Periode der sogenannten Nacktsamer: der Samenfarne, zu denen auch die Vorfahren unserer Palmen zählten, der Ginkgos mit ihren fächerförmigen Blättern und, vor allem, der Nadelbäume - der direkten Vorläufer unserer Kiefern, Tannen und Zedern. Damals wie heute sind Nadelbäume just dort, wo Wasser knapp ist, die wichtigsten Waldbäume überhaupt.

Vor 140 Millionen Jahren vollzog sich schließlich der letzte, entscheidende Schritt in der Entwicklung der Pflanzen: die sogenannten Bedecktsamer kamen auf - Blütenpflanzen und Laubhölzer. Etwa 30 Millionen Jahre lang machten die beiden Pflanzengruppen, die Nackt- und die Bedecktsamer, einander hartnäckig Konkurrenz; dann standen die Sieger fest: Von rund 260000 Pflanzenarten, die heute noch auf unserer Erde wachsen, gehören nur etwa 700 Arten zu den Nacktsamern.

Bei den Bedecktsamern ging die Entwicklung Schritt für Schritt vom Großen zum Kleinen, nämlich von den Bäumen zu den Sträuchern und schließlich, dank immer konsequenterer Anpassung, zu den Kräutern.

Ablagerung aus der KreidezeitIn Ablagerungen aus der Kreidezeit wurden Abdrücke gefunden - scharf wie Fotografien: Hier ein Blatt, das dem einer Buche gleicht.

Mit der Verbreitung der Blütenpflanzen, besonders der Laubwälder, fanden auch die ersten Säugetiere weite Lebensbereiche. Und vor rund 60 Millionen Jahren war Europa wieder von einem tropischen Regenwald bedeckt: Jetzt waren Palmen, Gummibäume und Bambus die vorherrschenden Pflanzen. Bis Spitzbergen wuchsen die wärmebedürftigen Zedern und Magnolien; es gab Eichen- und Kastanienwälder; Mammutbäume wurden fast 4000 Jahre alt.

Dieses tropische und subtropische Klima reichte, in erdgeschichtlichen Maßstäben gerechnet, fast bis in unsere Zeit. Noch vor einer Million Jahren bestimmte es unsere Vegetation, in der neben allerlei neuen Vogelarten und Säugetieren auch ein vordem ganz unbekanntes Lebewesen auftrat: der Vorläufer des heutigen Menschen.

Doch dann war die Zeit der immergrünen Wälder zunächst einmal vorbei.

Warum weite Teile der Erde von Eiszeiten heimgesucht wurden, ist bis heute nicht geklärt. Viele Einflüsse wirkten zusammen, wohl auch gewisse Veränderungen der Erdbahn im Verhältnis zur Sonne. Tatsache ist jedenfalls, dass sich von Norden her Gletschermassen immer weiter nach Süden schoben - in Europa ebenso wie auf dem amerikanischen Kontinent.

Das geschah mehrfach im Zeitraum von rund einer Million Jahren; dazwischen gab es wieder wärmere Perioden. Über die Zahl der Eiszeiten sind sich die Gelehrten nicht so ganz einig, sechs waren es mindestens, zuweilen wird auch noch zwischen Eiszeiten und Kaltzeiten unterschieden - aber das spielt keine große Rolle. Wesentlich für die Pflanzen und Tiere, auch für die Menschen, war nur dies: es wurde kälter.

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