|
Im
Bannwald greift nicht einmal der Förster ordnend in die Natur ein. Hier
wird der Mensch nur als Beobachter geduldet.
Von den letzten Urwäldern auf deutschem Boden finden sich zwei im Bayerischen Wald, in dem (zusammen mit dem Böhmerwald) größten und geschlossensten Waldgebiet Europas. Das eine liegt im Höllbachgspreng am Großen Falkenstein, das andere in der Seewand des Großen Rachel.
Das Unheimliche, das in unserer Vorstellung zum Urwald gehört, zieht mächtig an. Diese Faszination hat gewiss auch etwas mit dem Verlangen der Menschen nach verschwundener Urwüchsigkeit zu tun. Schließlich lockt noch jene gewisse Romantik, wie man sie zu kennen glaubt aus abenteuerlichen Schilderungen. Indessen ist mancher enttäuscht, der das Höllbachgspreng oder den Rachelurwald durchwandert: Hängende Lianen, Dschungeldickicht, wilde Tiere und drückende Hitze wie im Tropenwald - all dies spielt in der Lebensgemeinschaft eines deutschen Urwalds keine Rolle. Unsere Urwälder setzen sich aus den gleichen Pflanzen zusammen, die man aus allen deutschen Wäldern kennt; sie werden lediglich nicht gepflegt; sie leben vor sich hin, ohne Eingriffe von Seiten des Menschen.
Mitten in der Wildnis, am Rachelsee, klärt eine Tafel den Wanderer auf, weshalb man - in unseren zivilisierten Breiten - die scheinbar unnützen Urwälder überhaupt zu erhalten trachtet: »Es soll ermittelt werden, inwieweit kostspielige Waldpflege eingeschränkt werden kann, ohne dass der Wert des Waldes für Holzlieferung, Trinkwasserversorgung, Erholung und seine sonstige Bedeutung für den Menschen sinkt.«