Der deutsche Wald kann mehr als rauschen

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Wälder der Erde

Kapitel in: Wälder der Erde

Regenwald in drei Stockwerken

Urwald-RieseIm Amazonasbecken von Ecuador wachsen gigantische Urwald-Riesen.

Unseren phantasievollen Vorstellungen, wie echter Urwald auszusehen habe, kommen die tropischen Regenwälder am nächsten. Die Üppigkeit der Pflanzenwelt scheint jedes Maß zu übersteigen; Vielfalt und Vielzahl der Pflanzenarten sind unüberschaubar. Vom Erdboden bis in Höhen von 60 Metern und mehr ist der Waldraum erfüllt von Baum-Individuen, ihren Stämmen und Ästen, sowie Kräutern und Sträuchern. Dabei ergeben sich ausgeprägte Stockwerke: Unten stehen die niedrigen, allenfalls 20 Meter hohen Bäume, in der mittleren Etage schießen sie auf bis zu 35 Metern, und im obersten Stockwerk überragen ihre Kronen das Erdreich oft 60 Meter und mehr.Regenwald

Meist ist das Kronendach des Mittelgeschosses schon so dicht, dass sich die Wipfel der Baumriesen dem spähenden Aufwärtsblick gänzlich entziehen; auch der Himmel ist kaum zu sehen - was nichts anderes bedeutet, als dass der Einfall des Sonnenlichts auf den Waldboden erheblich behindert ist: Drunten herrscht ständiger Dämmer. Nur wenn ein abgestorbener, morscher Baumriese umfällt und eine Bresche ins darunter prangende Kronendach schlägt, wird für kurze Frist der Himmel sichtbar: Das eindringende Licht sorgt dafür, dass sich die Himmelsschneise binnen weniger Tage wieder »verwächst«.

Der Mangel an Licht im tropischen Regenwald führt dazu, dass sämtliche Holzpflanzen immerfort darum ringen. Während die Bäume es aus eigener Kraft schaffen, hoch emporzuwachsen, nehmen andere Gewächse diese als Leiter zu Hilfe: die Kletterpflanzen. Sie ersparen sich so den zeit-, energie- und rohstoffraubenden Aufbau eines selbsttragenden Sprosses. Zu erwähnen sind hier vornehmlich die Lianen, die sich schlangengleich in jeder Lücke emporwinden. Auch viele Philodendron-Arten, die wir bei uns als Zimmerpflanzen kennen, klettern in tropischen Regenwäldern zum Licht. Besonders rabiat benehmen sich dabei die Würgefeigen der Gattung Ficus: Sie umschlingen mit immer dicker und kräftiger werdenden Luftwurzeln die Baumstämme, bis sie sie am Ende regelrecht erwürgen. Im übrigen sind die Schädigungen, welche den Bäumen durch Kletterpflanzen zugefügt werden, nicht nennenswert. Denn diese Kletterer sind keine Parasiten, die ihren Stützbäumen Nährstoffe entziehen; vielmehr ernähren sie sich ganz selbständig und brauchen die Bäume nur als Halt und Haftgrund für ihre biegsamen Körper.

Auch auf dem nordamerikanischen Festland wachsen die typischen Regenwälder.

Kämpfen müssen die Pflanzen des tropischen Regenwaldes auch um den Raum zum Leben, um den Stand- oder Wuchsort. Viele Moose, Flechten, Farne, Orchideen und die zu den Ananas-Gewächsen gehörenden Bromeliazeen besiedeln die Stämme und Zweige von Bäumen. Diese »Aufsitzerpflanzen« oder Epiphyten nutzen jede Borkenritze, jede Astgabel und jeden Spalt im Stamm als Wuchsort. Solche Plätze haben den Vorzug, dem Licht näher zu sein als der Waldboden; sie allerdings zu erreichen ist schwer genug: das gelingt nur den Samen, die entweder vom Wind an einen zum Keimen geeigneten Platz geweht oder durch Tiere - etwa Ameisen oder auch Vögel - dorthin gebracht werden.

Eine weitere Schwierigkeit müssen die Epiphyten bei ihrer Ernährung überwinden, weil sie ja weder im Erdboden wurzeln noch Parasiten sind. Meist finden sie an ihren Wuchsorten kleine Humusmengen vor, denen sie Nährstoffe und Wasser entziehen. Manche Epiphyten besitzen Wurzelsysteme, mit denen sie Staub aus der Luft einfangen; auch Wasser wird vielfach direkt der feuchten Luft entnommen - mit eigens hierfür gerüsteten schwammigen Luftwurzeln.

Von der riesigen Artenzahl der tropischen Regenwaldbäume - es sind mehr als 10000 - war schon die Rede. Während in unseren Breiten auf einem Hektar Waldfläche selten mehr als fünf verschiedene Baumarten stehen, kann man im tropischen Regenwald auf einer gleich großen Fläche bis zu 150 Baumarten zählen. So kommt es, dass man darin oft 100 Meter und mehr zurücklegen muss, ehe man auf ein zweites Exemplar derselben Baumart trifft.

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