Der deutsche Wald kann mehr als rauschen

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Insekten

Insekten Gallen

Kapitel in: Insekten

Jede Fichtengallenlaus bewohnt ein eigenes Kämmerchen

Gallen der FichtengallenlausGallen der Fichtengallenlaus

Dem aufmerksamen Wanderer fallen an den Fichtentrieben bisweilen kleine, ananas- oder auch zapfenförmige Gebilde auf: keineswegs junge Fichtenzapfen, sondern Gallen! Das sind Wucherungen des Baumes, die entstanden, weil dort Fichtengallenläuse sitzen, welche die jungen Triebe angezapft haben. Jede dieser Läuse hat in der Galle ihr eigenes Kämmerchen, worin sie lebt.

Aufgeschnittene Galle Aufgeschnittene Galle

Im Juli und August platzen die Gallen auf, und die Läuse verlassen das Gehäuse: schwärzliche, geflügelte Insekten von zwei bis vier Millimetern Länge. Die suchen nun sehr zielstrebig eine andere Baumart auf, die Lärche. Dort legen sie ihre Eier ab. Die grünlich gefärbten Nachkommen verbringen den Winter geschützt in einem Wachswollemantel unter der Lärchenrinde. Im Frühjahr entstehen daraus geflügelte Tiere, die wiederum Fichten aufsuchen. Ein solches Hin und Her - wie hier zwischen Fichte und Lärche stattfindet - wird von den Biologen Wirtswechsel genannt.

Auch die Schadwirkung der Fichtengallenlaus ist, forstwirtschaftlich betrachtet, erheblich. Die Saugtätigkeit der Gallenläuse führt dazu, dass die Jungtriebe an Fichte und Lärche sich deformieren und schließlich absterben. Da die Tiere sich enorm schnell vermehren, sind Massenvorkommen von Gallenläusen in unseren Nadelwäldern durchaus nicht selten. Entsprechend sind die Schäden.

Zu den attraktivsten und größten Käfern Mitteleuropas gehören die Bockkäfer - zum Beispiel der vornehmlich in Eichenwäldern lebende, heute allerdings sehr seltene Heldbock.Viele Larven der Bockkäfer sind als Holzzerstörer gefürchtet: Ihre Fraßtätigkeit in noch lebenden Hölzern kann erkleckliche Schäden anrichten. Doch bei weitem nicht alle unserer Bockkäferarten betätigen sich dergestalt zerstörerisch.

Moschusbock
Der Moschusbock, ein besonders hübscher Bockkäfer

Trotz unterschiedlicher Lebensweise zeigen die meisten unserer Bockkäfer eine Gemeinsamkeit: Ihre Fühler sind staunenerregend lang! Beim Männchen des Zimmermannbocks kann die Fühlerlänge sogar das Fünffache seiner Körperlänge betragen. Die Larven dieses Käfers fressen ihre Gänge nur in der äußeren Schicht, also kurz unter der Borke der Nadelhölzer, und richten folglich bloß geringen Schaden an. Ähnliches gilt für den Blauen Scheibenbock. Andere Bockkäfer haben sich auf Laubbäume spezialisiert - so etwa der herrlich metallisch schimmernde Moschusbock, der als Larve wie auch als fertiger Käfer an und in Pappeln lebt.

NonneNonne

Die Nonne ist, ungeachtet ihres Friedfertigkeit verheißenden Namens, ein bei Forstleuten gefürchteter Schmetterling. Was diesen optisch so hübschen Flatterer zum Schrecken werden lässt: er vermehrt sich in reinen Fichtenbeständen atemberaubend rasch ins Massenhafte. Die Stämme der Bäume sind dann umhüllt von einem weißschwarz-gesprenkelten Mantel, aus unzähligen, dicht an dicht sitzenden Nonnen. Die weißschwarze Farbtracht, nicht seine Friedfertigkeit hat diesem Insekt den Namen gegeben.

NonnenraupenNonnenraupen

Übrigens ist hier der Mensch nachweislich mitverantwortlich für den Massenbefall: Ohne die extremen Monokulturen bestimmter Nadelbaumarten wäre so massiertes Auftreten nicht möglich. Der etwa vier Zentimeter spannende Schmetterling fliegt meist in den Dämmerstunden zwischen Juli und August. Das Weibchen besitzt eine Legröhre, welche es lang ausstrecken kann und mit deren Hilfe es seine Eier unter die Rinde der Nadelbäume legt. Die Raupe frisst vornehmlich Nadelbaumtriebe - ihr Wirken macht die Nonne zu einem der gefährlichsten Waldzerstörer Mitteleuropas. Glücklicherweise setzt auch ihr ein ganzes Heer von Parasiten zu.

Riesenholzwespe Riesenholzwespe

Nadelhölzer wie Fichte, Tanne oder Lärche sind der Lebensraum der Larven unserer Holzwespen - der Riesenholzwespe und der Blauen Holzwespe. Durch ihre Fraßtätigkeit können sie in den Wäldern erhebliche Schäden anrichten. Obgleich sie für die Eiablage schon geschädigte, kränkelnde Bäume bevorzugen, werden oft auch gesunde Hölzer mit Eiern und Pilzsporen infiziert. Nachdem das Weibchen mit seinem Legebohrer fast ein Halbtausend Eier in verschiedene Bäume injiziert hat, liegt alles weitere bei den Larven: kaum aus dem Ei geschlüpft, fressen sie sich durch das Holz. Die Fraßgänge haben Durchmesser von vier bis zehn Millimetern - je nach Alter und Größe der Larve, deren Entwicklung verschieden lang dauert: von einem bis zu sechs Jahren. Als Nahrung dienen der Larve Zeilinhaltsstoffe des Baumes. Andererseits lebt die Wespenlarve in enger Gemeinschaft mit holzzerstörenden Pilzen, deren Sporen das Weibchen bei der Eiablage mitüberträgt: der sich entwickelnde Pilz dient der Larve ebenfalls als Nahrung. Wieweit ein lebensnotwendiges Verhältnis zwischen Wespenlarve und Pilz besteht, konnte noch nicht ganz geklärt werden.

Die Insekten schlüpfen - nach einem Puppenstadium - im Hochsommer; dann ist ihr brummendes Fluggeräusch häufig zu hören. Normalerweise entdeckt man als Spaziergänger nur weibliche Tiere im Wald, da sich die Männchen vornehmlich in den Wipfeln der Bäume aufhalten.

RiesenschlupfwespeRiesenschlupfwespe

Als natürlicher Feind der Riesenholzwespe tritt in Mitteleuropa die Riesenschlupfwespe auf. Dieser optisch sehr elegant wirkenden Wespe gelingt es, die im Holz versteckten Holzwespenlarven auszumachen. Ihre langen Fühler dienen dabei als Tastorgan. Sie können bis vier Zentimeter tief sitzende Larven finden.

SchlupfwespenlarveSchlupfwespenlarve

In langer, harter Arbeit treibt sie nun ihren Legebohrer durchs Holz und sticht ihr Opfer; bei diesem Vorgang tritt etwas Sekret aus dem Bohrer, das die Holzwespenlarve lähmt. Anschließend wird von der Schlupfwespe ein Ei in die Wirtslarve injiziert: die Schlupfwespenlarve, die daraus entsteht, frisst während ihres Heranwachsens die Holzwespenlarve allmählich von innen auf.

Die Kiefern-Buschhornblattwespe hat ihren phantasievoll-bedeutungsträchtigen Namen wohl wegen der langen, oft buschigen Fühler der Männchen. Mit Hilfe dieser empfindlichen Antennen spüren sie die Weibchen auf, die ihrerseits von den eigenen Fühlern nur wenig Gebrauch machen. Die Weibchen kriechen langsam an den Zweigen verschiedener Kiefernarten entlang, um ihre Eier abzulegen. Zu diesem Zweck öffnen sie mit ihren sägeartigen Legebohrern die Kiefernnadeln seitlich an den Kanten. Nach der Ablage der (bis zu 20) Eier verkleben sie die aufgeschlitzte Nadelkante mit einer schaumigen Kittmasse wieder fein säuberlich. Der dafür nötige Kitt besteht aus dem herausgesägten Nadelfleisch und körpereigenem Drüsensekret.

Raupen der Kiefern-BuschhornblattwespeRaupen der Kiefern-Buschhornblattwespe

Die geschlüpften Larven bleiben gesellig zusammen und fressen die Nadeln bis zur Scheide ab. Je nach der Region gibt es bei dieser Wespe ein oder auch zwei Generationen pro Jahr. Die Verpuppung erfolgt in einer Puppenhülle unter Moos oder Nadelstreu. Bei gehäuftem Auftreten können Blattwespen Kiefernwälder erheblich schädigen. Als natürliche Feinde kommen vor allem diverse Vogelarten in Frage.

Dagegen ist die Waldschabe als Mitbereiter von Humus für das Ökosystem der Bodenschicht von größtem Nutzen.

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