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Frühe Holzberufe

Frühe Holzberufe - Von Lohmachern und Waldimkern

Kapitel in: Frühe Holzberufe

Von Lohmachern und Waldimkern

HolzZurück zu den diversen Holzberufen. Da gab es die Aschenbrenner, die ganze Wälder verheizten, um Pottasche zu gewinnen, einen chemischen Stoff (die Wissenschaft kennt ihn als Kaliumkarbonat), unentbehrlich beim Seifensieden und in Färbereien, vor allem aber bei der Herstellung von Glas. Pottasche wurde gewonnen, indem man Holzasche auslaugte und die Lauge eindampfte. Setzt man das gewonnene Produkt dem Quarz zu, aus dem Glas hergestellt wird, so sinkt der Schmelzpunkt um rund 30 Prozent. Das bedeutet: man brauchte weniger aufwendige Schmelzöfen, auch weniger Holz, um das Glas herzustellen. Andererseits aber wurde bereits für die Herstellung von Pottasche dermaßen viel Holz benötigt, dass von einer nennenswerten Einsparung schwerlich die Rede sein konnte: Zehn Zentner Fichtenholz warfen gerade ein halbes Pfund Pottasche ab. Erst als man im 19. Jahrhundert das Soda entdeckte, das bei der Glasherstellung ähnlich wie Pottasche wirkt, hatten die Aschensieder schlagartig keine Arbeit mehr. Ihr Produkt war nun nicht mehr gefragt, und der Beruf starb aus.

Andere Holzarbeiter hatten sich darauf spezialisiert, Lindenbäumen den Bast abzuziehen. Man machte Seile daraus. Oder sie sammelten Rinde als Gerbstoff. Diese Lohmacher hatten bis ins 19. Jahrhundert in der Waldwirtschaft große Bedeutung. Die Säure, die in der Lohe - das ist die gemahlene Rinde von Bäumen, vor allem von jungen Eichen - enthalten ist, war früher zum Gerben von Tierhäuten unentbehrlich. Heute gibt es hierfür synthetische Stoffe.

Lohmacher
Lohe - das kommt aus dem Althochdeutschen und bedeutet vom Baum gelöste, zerkleinerte Rinde. Diese wurde von den Gerbern gebraucht, weil die in der Rinde enthaltenen Gerbstoffe Tierhäute in geschmeidiges Leder verwandeln. Man schätzte Rinde von Fichten und Weiden, vor allem aber von jungen Eichen.

Die Lohmacher schälten zuerst ein großes Rindenstück am stehenden Stamm ab. Dann wurde der Stamm umgehauen, damit auch die weiter oben sitzende Rinde erreicht werden konnte; selbst stärkere Äste wurden entrindet. Der Vorgang verlangte sehr viel Geschick: es galt, die Rinde erst weichzuklopfen, bis sie sich lösen ließ, und sie dann möglichst schnell an der Luft zu trocknen. Lohrinde, die direkt im Wald von Fachleuten gewonnen wurde, war sehr lange Zeit ein begehrter Artikel. Die Gerber fuhren oft selbst in den Forst hinaus, um sich bei den Lohmachern die beste Qualität zu sichern.

Geschälte Bäume
Um die Lohe zu gewinnen, schälte man stehende Stämmchen ab und fällte sie dann. Sogar die Rinde der Äste war begehrt; sie musste vor dem Schälen weichgeklopft werden. Dann wurde sie an der Luft getrocknet. Das Holz dient als Brennstoff.

Auch die Waldimker waren geachtete Leute, damals Zeidler geheißen. Ihre Bienenkörbe stellten sie auf in lichten Wäldern. Honig - besonders der hochwertige Waldhonig - war bis ins 16. Jahrhundert, als man hierzulande den Rohrzucker noch nicht kannte (Rübenzucker wurde sogar erst im 18. Jahrhundert gewonnen), zum Süßen sehr begehrt. So gab es im Nürnberger Reichswald 32 Zeidlerdörfer und eine eigene Zeidlerzunft. Der Honig aus dem Reichswald, aus »des Heiligen Römischen Reiches großem Bienengarten«, verschaffte der Stadt Nürnberg just jenen Vorsprung in der Lebkuchen-Produktion, den sie sich bis in die heutige Zeit bewahrt hat.

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