Der deutsche Wald kann mehr als rauschen

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Biotope

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Ganz ohne Licht kann keine grüne Pflanze leben

BuchenwaldBelaubte Buchenwälder lassen wenig Licht durch. Die Bodenflora ist spärlich.

Bei dichtwachsenden Buchen und Eichen erreicht gerade noch ein Prozent des Sonnenlichts den Boden. Dort brauchen die blühenden Pflanzen in der Regel das meiste Licht; Pflanzen wie der Hasenlattich, die Knoblauchsrauke oder der Lerchensporn dagegen bekämen bei zu viel Sonneneinstrahlung sogar Probleme mit ihrem eigenen Wasserhaushalt; deshalb gedeihen diese Pflanzen auch nur im Schatten oder auch im Halbschatten der Hochwälder. Biotop

Farne wachsen auch im Halbdunkel, Moose begnügen sich mit noch weniger Licht. Etwas Licht brauchen aber alle grünen Pflanzen - für die Photosynthese, bei der aus dem Kohlendioxid der Luft und aus Wasser unterm Einfluss des Lichtes Kohlehydrate aufgebaut werden; die Pflanze gibt dabei Sauerstoff ab.

Neben den grundlegenden Standortfaktoren Wärme, Wasser, Licht und Boden gibt es noch andere Einflüsse, die das Biotop prägen können - oder an die sich die Bewohner der Biotope in irgendeiner Form anpassen müssen. Da ist zum Beispiel der Wind. Die Wälder brauchen ihn zu ihrer Erhaltung, denn der Blütenstaub der meisten Baumarten wird nicht durch Insekten (wie bei vielen anderen Pflanzen) .sondern durch den Wind transportiert. Dazu sind Pollen von Kiefern, Fichten und Tannen mit Luftsäckchen ausgerüstet, die als Schwebeapparate dienen. Manche Laubbäume - wie Birke oder Eiche - blühen, bevor sie Blätter treiben, damit der Wind ungehindert den Blütenstaub forttragen kann. Der Wind transportiert auch flugfähige Samen oder Früchte.

Andererseits bringt der Wind, besser gesagt: der Sturm, große Gefahren für all jene Wälder, die - wie die Monokulturen - vornehmlich aus wirtschaftlichen Erwägungen angelegt wurden. Flachwurzelnde Nadelhölzer, zum Beispiel Fichten, sind besonders gefährdet. Deshalb sollen bei vielen unserer Kulturwälder besonders stabile Bäume am Rand dafür sorgen, dass der Wind nicht mit voller Wucht durch den Forst blasen kann.

Jeder Faktor, der genannt wurde - Boden, Wärme, Wasser, Licht und Wind - spezialisiert nach dem Grad seiner Ausprägung das Biotop Wald. Ändert sich ein Faktor, dann ändert sich das Biotop und damit die Zusammensetzung seiner Bewohner. Solche Änderungen können natürlicher Art oder vom Menschen herbeigeführt sein. Ändert sich beispielsweise auch nur kurzfristig das Klima, so ändert sich auch das Biotop. Ein typisches Beispiel menschlichen Eingriffs sind die Flussbegradigungen: Sie führen oft dazu, dass der Grundwasserspiegel sinkt. Schon eine kleine Absenkung kann bewirken, dass sich in den Auwäldern (die in direkter Nachbarschaft des Flusses wachsen) die Zusammensetzung der Tier- und Pflanzenwelt ändert. Ändern sich die Faktoren zum Ungünstigen, wird das Biotop artenärmer und damit weniger stabil.

Wird ein Gebiet trockener (was durchaus auch natürliche Gründe haben kann), so »rücken« die Pflanzen und Tiere in die Nähe von Flüssen oder Seen; oder sie wechseln auf eine Bodenart, die Feuchtigkeit besser und länger speichern kann. Damit wechseln sie das Biotop. Mit solchem Biotopwechsel zeigen die Arten an, dass sie auf bestimmte Standortfaktoren unverzichtbar angewiesen sind. Der Biologe nennt dies das Gesetz der relativen Standortkonstanz - relativ deshalb, weil die Biotopbewohner nicht an einem bestimmten lokalisierten Raum festhalten, sondern auf einen Raum mit bestimmten Ausstattungsmerkmalen angewiesen sind.

Dieser durch seine Ausstattung bestimmte Raum kann auch in Zonen liegen, die dafür keineswegs typisch sind. So lässt sich beispielsweise für Bäume keine allgemein geltende Höhengrenze festlegen. Bäume, die für Mittel- und Nordeuropa typisch sind und dort bis zu Höhen von 1000, vielleicht 2000 Metern vorkommen, klettern in Sizilien auf beinahe 3000 Meter. In tropischen Gebirgen findet man Bäume ähnlicher Art noch in 4000 Metern Höhe. Bäume, die in unserem feuchten Klima auf tonigen oder lehmigen Böden wachsen, gedeihen in trockeneren Gebieten eher auf sandigen Böden, weil dort der Oberflächenabfluss nicht so stark ist und das spärliche Wasser wenigstens in den Boden eindringt.

Je gravierender ein Wechsel der Faktoren ist und je krasser das neue Biotop sich vom ursprünglichen unterscheidet, um so weniger Mitglieder der Lebensgemeinschaft werden den Wechsel mitmachen. Und um so größer ist die Konkurrenz zwischen den verschiedenen Arten beim Streben nach Licht, Wärme, Feuchtigkeit und Ausdehnung.

Alle pflanzlichen und tierischen Mitglieder der Lebensgemeinschaft Wald haben untereinander mittelbare oder unmittelbare Beziehungen. Symbiosen oder Gemeinschaften zwischen Wirt und Parasit sind dabei noch einfache Wechselbeziehungen. Die Wurzeln der Waldbäume sind für die Hälfte aller Pilze Nahrungslieferanten: Vom Blätterwerk der Bäume erhalten diese Pilze über die Wurzel die Kohlehydrate, die sie brauchen. Die Pilze wiederum verarbeiten schwerlösliche Humusstoffe und Nährsalze, um diese den Bäumen über die Wurzeln zuzuführen. Viele Pilze haben sich so dauerhaft auf eine Baumart spezialisiert, dass der erfahrene Pilzsammler nur noch nach den Bäumen schaut, um zu finden, was er sucht. Vom Fichtenreizker weiß er, dass er bei den Fichten steht, den Goldröhrling vermutet er korrekt in Lärchenwäldern, und auch beim Birkenpilz sagt ihm der Name, wo er suchen muss.

Andere Pilze gehören jedoch zu den Schmarotzern. Sie profitieren von ihrem Wirt, dem Baum, nützen ihm aber nichts, ja schädigen ihn sogar zum Teil. Manche Waldpflanzen wie der Efeu benützen die Bäume als Aufstiegshilfen, um rasch an genügend Licht zur Photosynthese zu kommen.

Neben diesen zweiseitigen Beziehungen gibt es in der Lebensgemeinschaft Wald Gruppen von Pflanzen und Tieren, die in vielfacher Wechselbeziehung stehen. So lassen sich die Bewohner eines Biotops in drei Gruppen einteilen: Produzenten, Destruenten (oder Zersetzer) und Konsumenten. Grüne Pflanzen, allen voran die Bäume, gehören zu den Produzenten. Sie liefern Nahrung für die Tiere (die ihnen gegenüber als Konsumenten auftreten) und Material für die Destruenten. Diese zerlegen abgestorbene Pflanzen und tote Tiere in Stoffe, die über die Humusschicht wieder den Produzenten zugute kommen.

Die Lebensgemeinschaft zwischen Tieren und Pflanzen ist im Wald besonders eng. Bäume und Sträucher, Gräser und Kräuter dienen den Tieren als Nahrung, als Schutz, Nistplatz, Wohnung und Versteck. Insekten sorgen nicht nur für den Abbau organischer Stoffe und die Zufuhr für die Pflanzen, viele von ihnen haben durch das Bestäuben auch eine wichtige Funktion bei deren Arterhaltung übernommen. Tiere transportieren Samen und Früchte von Waldpflanzen - allen voran Ameisen und Vögel, aber auch Säugetiere. Besonders einfallsreich ist dabei die Klette ausgestattet, die sich im Haarkleid der Tiere festsetzt und sich so einfach wegtragen lässt

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