Der deutsche Wald kann mehr als rauschen

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Wildparks und Gehege

Kapitel in: Wildparks und Gehege

Schauen Sie ruhig mal herein!

Wisente
Wisente waren beinahe ausgerottet. Heute gibt es in vielen Wildparks wieder diese mächtigen Wildrinder, die mit den nordamerikanischen Bisons nahe verwandt sind.

Es gibt viele Möglichkeiten, Tiere im Wald zu beobachten. Am einfachsten ist es, wenn Sie zu einem der vielen Wildgehege spazieren, wie sie in fast jedem größeren Waldgebiet angelegt sind. Wegweiser, die oft schon an den Wanderparkplätzen stehen, bringen Sie hin. Im Winter wird dem Wild zudem an vielen Stellen Futter serviert. Auch dort gibt es oft Gelegenheit, Tiere aus der Nähe zu sehen.

Ein Forst ohne Tiere? Unvorstellbar. Aber der Gedanke kommt nicht von ungefähr, wenn man bedenkt, welche Aufgaben dem Wald heutzutage zugeordnet sind: Er soll gleichzeitig Erholungsgebiet für vergnügte Familien und stilles Refugium scheuer Tiere sein, die man in Ruhe beobachten will. Das passt nicht zusammen. Kluge Förster haben das längst erkannt und bestimmte Gebiete ihrer Wälder eingezäunt, als Gehege. Nach ein, zwei Tiergenerationen hat das Wild sich an die Menschen gewöhnt, die zu Besuch kommen: Hirsch und Reh, Mufflon und Wildschwein lassen sich dort ganz ungeniert aus der Nähe betrachten. Freilich: das wahre Tiererlebnis ist das nicht, eher ein bisschen zoologischer Garten. Wilde Tiere im Wald zu beobachten - das ist etwas ganz anderes. Die bieten sich nicht an. Wer sie sehen will, muss Geduld haben, muss warten können, bekommt müde Arme vom schweren Feldstecher oder vom Teleobjektiv der Kamera. Aber man darf nicht übersehen, dass viele Tierbeobachter - auch wenn sie sich als Naturschützer fühlen - die Tiere des Waldes empfindlich stören können, allein durch ihre Anwesenheit. Sollte man deshalb die Tierbeobachtung im Wald ganz verbieten? Das wäre sicher falsch. Die Beobachtung von Vorgängen in der Natur ist die Grundlage für jede Art von praktischem Naturschutz. Mehr noch: erst aus dem Erleben einer naturnahen Landschaft mit ihren Lebewesen erwachsen Freude und enge Beziehung zur Natur.

In diesem Zusammenhang ist es ganz interessant, dass die Pioniere des Naturschutzes die Ornithologen waren. Die Vogelkundler erkannten schon vor über hundert Jahren - schneller als Biologen anderer Fachrichtungen -, dass menschliche Eingriffe in die Natur bestimmte Tierarten gefährden. Die Hinweise des Deutschen Bundes für Vogelschutz, die Sie hier finden, können als allgemeinverbindlich für jegliche Tierbeobachtung im Wald gelten. Naturschützer haben Schutzgebiete angelegt, in denen versucht wird, gefährdete Tierarten zu erhalten. Es wäre vielleicht vernünftig, alle diese Schutzgebiete gegen jeden Fremden abzusperren; andererseits aber wäre es widersinnig, sie nur Fachwissenschaftlern zugänglich zu machen. Es geht ja darum, bei möglichst vielen Menschen das Verständnis für die Tiere zu fördern. Deshalb werden regelmäßig fachkundig geleitete Fahrten in Schutzgebiete veranstaltet. Auf den Exkursionen können Sie die Tiere in freier Wildbahn studieren. Aber Sie müssen wissen, dass diese Art der Tierbeobachtung mühsam sein kann. Naturbewußte Menschen werden alles tun, um eine Störung der Tiere zu vermeiden. Lieber sind sie eine Woche lang von früh bis spät in einem Waldgebiet, ohne die scheuen Geschöpfe zu sehen, auf die sie aus sind, als dass sie das Risiko eingehen, eine Tierfamilie zu stören und womöglich gar zu vertreiben.

Wer es sich und seiner Familie einfach machen will, geht dorthin, wo die Tiere eingezäunt leben, damit man sie betrachten kann: zu einem Wildgehege - oder in den Zoo. Die großen zoologischen Gärten in der Bundesrepublik Deutschland genießen international einen guten Ruf und erfreuen sich in der Bevölkerung großer Beliebtheit. Der Staat unterstützt solche Einrichtungen, weil sie als Bildungsstätten anerkannt sind. Als Nachteile beim Zoobesuch empfinden viele Menschen die auch unter günstigen Umständen nicht besonders großen Käfige oder Gehege. Ist es nicht viel attraktiver, die Tiere in einem Park frei laufen zu sehen? Fühlen sich die Tiere dort nicht wohler? Die Antwort ist nicht ganz einfach.

Mufflon
Das Mufflon ist ein aus dem Mittelmeerraum bei uns eingebürgertes Wildschaf. Hier ein kräftiger Widder.

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