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Gefährdete Arten

Gefährdete Arten - Wisent

Kapitel in: Gefährdete Arten

Der Wisent

Wisent
Wer bei Karl May und anderen Wildwest-Schriftstellern von gewaltigen Büffelherden liest, kann sich hierzulande einen guten Eindruck von den mächtigen Wildrindern verschaffen. Der Wisent ist nämlich ein enger Verwandter des amerikanischen Bisons und war früher in unseren Wäldern heimisch. Heute wird er ab und zu in Wildgattern gehalten.

Neben dem Auerochsen war der Wisent das zweite Wildrind, das in den Urwäldern Europas heimisch gewesen ist. Er ist der nächste Verwandte des nordamerikanischen Bisons; beide haben sich aus einer längst ausgestorbenen indischen Stammform entwickelt: der Bison in Nordamerika, der Wisent in Vorderindien und Europa. Wisente können, in beiden Geschlechtern, eine Kopf-Rumpf-Länge von 3,40 Metern, eine Körperhöhe von 2 Metern und ein Körpergewicht von 1000 Kilo erreichen. Noch ist der Wisent nicht ausgestorben; aber im letzten Jahrhundert fehlte nicht viel daran. Ursprünglich waren große Herden in Europas Wäldern keine Seltenheit. Doch ihre Zahl nahm mit der fortschreitenden Kultivierung und Rodung immer mehr ab, bis es schließlich zu Beginn des 19. Jahrhunderts nur noch in Zentralpolen, im Urwaldgebiet von Bialowieza, Wisente gab. Dorthin hatten sich einige hundert Tiere zurückgezogen. Doch sie fanden auch dort keine Zuflucht. Denn einmal schrumpften auch dort die Wälder, so dass das Gebiet für den Bestand zu klein wurde; und zum anderen wurde gewildert. Nach dem Ersten Weltkrieg schien alles zu Ende. Ein Wilderer erlegte 1921 den letzten freien Wisent Europas.

Doch zum Glück war noch rechtzeitig ein halbes Hundert Wisente aus den Herden von Bialowieza an Zoos und Wildgehege abgegeben worden. Mit diesen Tieren ist es erfahrenen und idealistischen Zoologen, Tierzüchtern und Tierpflegern in jahrzehntelangen Mühen gelungen, einen neuen Wisentbestand aufzubauen. Aus dem wurde 1956 im Urwald von Bialowieza eine kleine Herde wieder ausgesetzt. Sie gewöhnte sich gut ein; schon sieben Jahre später zählte man 57 Tiere. Von denen waren 34 in Freiheit geboren. Eine weitere Herde wurde im angrenzenden Gebiet der UdSSR ausgesetzt. Damit ist der Wisent wieder ein freilebendes Wildtier in Europa - bis heute mit besseren Aussichten, es auch zu bleiben, als zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

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